April 2014

Posing – nicht nur Sache der Modelle

Heute möchte ich mal über ein Thema sprechen, bei dem es leider bei vielen hapert (ich schließe mich da nicht aus) – das Posing. Einige hindert sogar genau das am Fotografieren von Menschen überhaupt und das ist wirklich schade, denn ich kann aus eigener Erfahrung berichten – zu Beginn meiner fotografischen Laufbahn kam für mich die Fotografie von Menschen nie im Leben in Frage, vor allem weil ich keine Ahnung hatte, wie ich dem Menschen vor der Kamera klar machen soll, was ich von ihm will – dass es sich wirklich lohnt, seine Scheu zu überwinden, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und jede Menge Spaß beim Fotografieren von Menschen zu haben.

Viele setzen voraus, dass das Thema Posing allein dem Model obliegt. Im besten Fall ist das natürlich so. Aber zum einen hat man im Hobbybereich selten mit Profimodellen zu tun und zum anderen können Profimodelle ja auch nicht alles sehen, weil in der Regel kein Spiegel vor diesen steht. Ob also eine Pose in diesem oder jenem Outfit gut aussieht oder eine Haarsträhne störrisch nach oben steht sieht das Model nicht.

Somit ist es unabdingbar, einen Blick für diese Details zu entwickeln und dem Model Anweisungen geben zu können. Das reicht je nach Model von “Kinn hoch” / “Blick zu mir” / “Hüfte mehr eindrehen” / “Arm mehr anwinkeln” bis hin zum Vormachen von ganzen Posen.

In meinen Workshops lege ich besonderen Wert auf diesen Umgang mit dem Model, denn oftmals passiert es, dass einem bspw. erst hinterher auffällt, dass das Model so gut wie nie Richtung Licht geschaut hat (ausser genau auf dem einen Bild, dass man sich zum Lichtcheck angeschaut hat) und eigentlich alle Bilder für die Tonne sind. Die Kommunikation mit dem Model ist kein Hexenwerk, sowas lässt sich gut üben (sagt doch einfach mal eurem Model, heute möchte ich an meiner Kommunikation mit dem Model üben, bitte korrigiere mich und sag mir, was ich besser machen kann – wie machen das denn die anderen Fotografen?) und man kann einige “Hilfsmittel” dazu nehmen, die ich in diesem Blogpost vorstellen möchte, damit euch das Thema Posing nicht mehr im Weg steht…


 

Ein eigener Posingkatalog

Ich arbeite viel mit der Dropbox und hab mein Smartphone immer dabei, also habe ich mir Posen, die mir besonders gut gefallen einfach in einen Dropboxordner geschoben und kann sie so vor Ort meinem Model zeigen und wir können die Pose gemeinsam erarbeiten.


 

Posingapps

Mittlerweile gibt es unzählige Posingapps, sogar welche, die die Pose als Silhouette anzeigen, so dass man das Handy vor das Model hält und diese in die Form der Pose “presst”. Abdrücken tut man dann aber eben mit dem Handy. Neben einigen zweifelhaften Apps gibt es aber auch einige gute. In der Regel sind die guten auch die, die Geld kosten. Die “PosingGuide” Apps sind ganz gut und nach unterschiedlichen Themen sortiert. Die Posen werden anhand von echten Modellen gezeigt. Mir persönlich gefallen die skizzierten Posen besser, weil so das Model nicht zwanghaft die Pose 1:1 kopieren will. Die Fotos sind oft, zumindest in meinen Augen, nicht sehr gut gelungen und nicht jede Pose passt zu jedem Model, so dass in meinen Augen das Model nur eine Ahnung bekommen soll, sich aber dennoch gut in der Pose fühlen soll/muss, sonst sieht alles zu gestellt aus.

Eine gute kostenfreie App ist “Photo Posing Ideas”, die eben mit diesen Skizzen arbeitet und einem guten Anregungen bietet.

Eine App oder ein Dropboxordner ist für mich ein guter Notbehelf vor Ort. Unabdingbar ist aber, dass man sich generell und vor einem speziellen Shooting einige Posen einprägt, sprich etwa 10 Fashionposen habe ich einfach immer auf dem Schirm, wenn ich ein Fashionshooting mache. Daraus lassen sich dann weitere Posen vor Ort entwickeln und die Kuh ist vom Eis, wenn das Model mal nicht weiter weiß.

Daher hier eine Buchvorstellung zu genau diesem Thema:


 

Posen, Posen, Posen von Mehmet Eygi (Galileo Design)

Foto 29.04.14 10 25 45

Normalerweise gehöre ich nicht zu den Menschen, die sagen, dieses oder jenes Buch gehört einfach in jedes Bücherregal, denn meist sind die Geschmäcker und Schwerpunkte einfach zu verschieden. Tatsächlich ist dieses Buch aber das erste, wo ich sage, das Buch ist Pflicht für jeden, der Menschen fotografiert und ich bin so glücklich, dass ich es mir zugelegt habe. Ich hatte den Vorgänger ein paar mal in den Händen, muss aber zugeben, dass dieser micht nicht angesprochen hat. Hier war es anders. Pro Seite sieht man eine Pose in vier Variationen plus Tipps, wie “…bei dieser Poste ist ein durchgestreckter Rücken sehr wichtig….” oder “…wenn Sie den Arm heben, um mit der Hand durch die Haare zu gehen, achten Sie darauf, dass der Bizeps leicht angespannt ist…”. Die Bilder sind wirklich gut und erfüllen ihren Zweck. So wird man nicht von Unmengen Text erschlagen, sondern erfährt ganz kompakt und schnell, wie es geht und was man vermeiden sollte. Das ist genau das, was mich anspricht.

Das Buch kommt im ungewöhnlichen A4+(?) querformat daher, was es leider nicht handlich genug macht, um es bei Outdoorshootings mit dabei zu haben, allerdings wäre es in kleinerem Format auch fünfmal so dick und die schone Übersichtlichkeit würde verloren gehen. Außerdem soll das Buch ja auch mehr der Vorbereitung dienen und notfalls kann man sich ja auch was abfotografieren, sollte man eine Pose absolut nicht behalten können.

Foto 29.04.14 10 42 55 Foto 29.04.14 10 43 36

 

 

Der zweite große Pluspunkt neben der schönen Aufmachung ist das breite Spektrum. Das Buch ist untergliedert in folgende Bereiche:

Frauen

  • Fashion
  • Plus Size
  • Dessous
  • Nude

Männer

  • Fashion
  • Sport
  • Business

Paare

  • Fashion
  • Sexy

Schwangere

  • Fashion
  • Nude
  • Belly

Familie

  • Baby & Mom
  • All Together
  • Baby

Somit sind wirklich alle Bereiche abgedeckt, mit denen man in der Menschenfotografie konfrontiert wird. Besonders schön finde ich, dass auch auf Plus Size Modelle eingegangen wird. Denn mit einer schlanken Frau bekommt man im Foto 29.04.14 10 42 44Notfall auch ohne Posingbuch ein schönes Bild hin, bei Plus Size sieht die Welt aber ganz anders aus.

So hat man 264 verschiedene Posingideen, bei denen sicher bei keinem Shooting Langeweile aufkommt. Mich überzeugt die Vielfalt und die Aufmachung des Buches zu 100% und ich sehe es als große Bereicherung für Fotografen und Modelle an. Ein Muss in jedem Bücherregal ;)

Und wer doch noch nicht ganz überzeugt ist, bei Galileo Design findet man eine Leseprobe zum Buch…

 

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