Februar 2014

Wie plane ich ein Fotoshooting mit Model

Im Fotoclub habe ich einen Vortrag zum Thema “Wie plane ich ein Fotoshooting” gehalten, welcher großes Interesse hervor gerufen hat. Einige konnten dem Vortrag nicht beiwohnen, daher habe ich mich entschieden, daraus einen Blogeintrag zu machen.

 


 

Vorab gibt es drei Ausgangsvarianten.

  1. Ich habe ein Model, welches ich fotografieren möchte. Eine liebe Freundin, die Nachbarin….
  2. Ich habe eine Idee, die ich im Internet oder einem Magazin gesehen habe.
  3. Ich möchte schöne Fotos machen, habe aber weder Idee noch Model.

 

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Gehen wir also erstmal davon aus, dass wir bereits ein Model haben. Zum einen sollten wir uns natürlich mit dem potenziellen Model besprechen, vielleicht hat sie schon eine Idee, Wünsche und Vorstellungen. Wenn nicht, sollten wir uns nach Inspiration umschauen. Das können sein:

  • Zeitschriften, wie die Vogue, Elle oder Harper’s Bazaar für ein Fashionthema. Für natürlichere Portraits bin ich in Magazinen für’s Stricken oder Nähen fündig geworden. Neben Zeitschriften eignen sich natürlich auch Kataloge.
  • Bücher – es gibt spezielle Portraitbücher, bspw. aus dem Galileo Verlag (die mag ich besonders gerne) mit Bildstrecken und Tutorial. So habt ihr nicht nur eine Bildidee, sondern wisst gleich, wie man sie umsetzen muss. Und keine falsche Scheu, selbst wenn ihr eine Idee “klaut”, wird sie doch nie so, wie auf dem Ausgangsbild. Gerade am Anfang waren mir bildliche Vorlagen eine große Hilfe. cache_2420782255
  • Fotoblogs – dasselbe wie bei den Büchern, nur oftmals gratis, aber nie umsonst. Neunzehn72, Krolop+Gerst, fotopraxis.net, die Podcasts von Jens Burger etc. sind meine häufigsten Anlaufstellen.
  • Fotocommunitys wie 500px.com liefern ausgezeichnetes Bildmaterial und laden zum inspirieren ein Screenshot 2014-02-05 12.23.42

Ein Brainstorming hilft dabei, sich einen Plan zu machen. Was will ich wirklich? Wenn ein Mittelaltershooting angedacht ist, fallen viele Dinge weg. Wenn ich im Cosplaybereich arbeite, muss ich mich genau mit der Figur auseinander setzen, die ich fotografieren will. Möchte ich ein Fashionshooting machen, muss ich wissen, was derzeit angesagt ist, welche Posen ich haben möchte etc.

Wenn ihr eine Idee habt, solltet ihr diese im Geiste möglichst konkret durchgehen, damit ihr beim Shooting genau wisst, was ihr wollt.

Solltet ihr weder Model noch Idee haben, empfiehlt es sich, erstmal eine Idee zu finden. Mit einer konkreten Idee ist es einfacher, ein Model davon zu überzeugen, mit euch zu shooten. Selbst, wenn sie dann vielleicht mit einer eigenen Idee kommt, die ihr dann umsetzt.


 

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Wenn ihr bereits eine Idee habt, macht euch auch hier genaue Gedanken. Welche Art von Model benötige ich? Wie alt sollte sie sein, welche Haut- und/oder Haarfarbe, welche Figur etc.

Wenn ihr eine konkrete Vorstellung habt, geht es an die Modelsuche. Es gibt verschiedene Wege (die Nachbarin, das Mädel aus der U-Bahn), ich empfehle allerdings die model-kartei.de. Denn dort tummeln sich nur shootingwillige Hobby- und Berufsmodels, bei denen ihr auf einen Schlag seht, wie sie ausschauen, welche Erfahrungen sie haben, woher sie kommen und was sie shooten möchten.

Dazu müsst ihr euch dort als Fotograf anmelden. Die Model-Kartei ist also nicht nur eine Plattform für Modelle, sondern auch für Fotografen, Visagisten, Bildbearbeiter, Designer, Studiobetreiber und Produzenten (Hobby und Profi). Für die Anmeldung benötigt ihr eine handvoll Portraits, um zu zeigen, was ihr könnt und natürlich, dass ihr seriös seid und ein echtes Interesse habt. Falls euch solche Bilder fehlen, könnt ihr Workshops besuchen. Dann solltet ihr aber auch fairerweise unter die Bilder schreiben, dass diese auf einem Workshop entstanden sind.

Wenn ihr dort angemeldet seid, gibt es drei Varianten, um an ein geeignetes Model zu kommen.

  1. Ihr wartet ab, bis euch eine shootingwillige Dame anschreibt. Diese sollte dann natürlich auch noch auf eure Vorstellungen passen. Glaubt mir, dieser Fall ist eher unwahrscheinlich, solange ihr nicht zu den großen der Szene gehört ;)
  2. Ihr stöbert mittels Umkreissuche die Sedcards der Modelle in der Nähe ab und schreibt Modelle an, die euch gefallen.
  3. In der MK (Kurzform für Model-Kartei) gibt es die Möglichkeit einen “Job” auszuschreiben. Darin steht dann, was ihr wann und wo machen wollt und wen ihr dafür sucht. Auch wenn “Job” nach Geld klingt, kann man diese Jobs auch auf tfp-Basis (time for prints, heute eher time for data, aber tfp hat sich eingebürgert, beide investieren also ihre Zeit und am Ende bekommt das Model die Bilder auf CD, via Dropbox o.ä.) ausschreiben. Auf den Job bewerben sich dann die Modelle, die Interesse an der Idee haben.

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Tipp: Wenn sich ein Model bei euch bewirbt, dass euch vom Typ her nicht gefällt, was natürlich vorkommen kann, ist das aber immer eine rein subjektive Meinung und ihr solltet das nie dem Model schreiben. Schreibt lieber, für dieses Projekt suche ich einen anderen Typ, aber vielleicht könnten wir ja beim nächsten Projekt zusammen arbeiten? Ihr könntet auch konkret ein Projekt nennen, wo ihr euch sicher sein könnt, dass das Model darauf keine Lust hat (aber bitte bleibt seriös). Das ist eine Variante der netten Abweisung, ihr könnt auch schreiben, dass ihr derzeit nur pay-Jobs vergebt. Wenn sie euch dafür bezahlt, kann es euch ja egal sein, ob sie euch gefällt oder nicht. Natürlich sollte man diese Variante nicht bei einer auf tfp ausgeschriebenen Jobbewerbung antworten.


 

Wenn nun Idee und Modell vorhanden sind, geht es an die Planung der passenden Location. Man unterscheidet zwischen Studio, Indoor oder Outdoor.

  •  Studios kann man mieten. In der MK findet ihr sicher ein passendes Studio in eurer Nähe. Meist kann man das technische Equipment (außer Kamera und Blitz) auch gleich dazu mieten.
  • Indoorlocations versteht man als alles, was überdacht ist. Bspw. eine Bar, eine Werkstatt oder eine verlassene makingof Halle. Diese Locations (auch die verlassene Halle) sind genehmigungspflichtig. Ihr müsst euch also mit dem Besitzer einig werden, ob ihr dort shooten dürft. Eventuell fallen hier Gebühren an.
  • Outdoor ist dann alles, was draussen ist. Auch hier gibt es Parks o.ä., die sich im “Pivatbesitz” (Städte und Gemeinden zähle ich der einfachheithalber mit darunter) befinden und einer Genehmigung bedürfen. Auch sind draussen bspw. Naturschutzgesetze zu beachten. Google Maps hilft manchmal, eine geeignete Location zu finden, wenn ihr bspw. einen See sucht. Dort seht ihr gleich, ob ihr dort parken könnt etc. Fahrt aber auf jeden Fall vor tb2dem Shooting dort hin, auch wenn ihr bspw. eine Location nur als Tip kennt. Könnt ihr wirklich dort parken? Handelt es sich um ein Privatgelände oder Naturschutzgebiet? Gibt es die Location (bspw. den Baum) überhaupt noch?

Tipp: Sucht euch eine Ausweichvariante bei schlechtem Wetter, wenn es schade sein sollte, wenn das Shooting ausfallen müsste, weil das Model zum Beispiel eine lange Anreise hatte.


 

Wenn ihr nun eine Idee, ein Model und eine Location habt, habt ihr schon einen sehr konkreten Plan, wie das Shooting ablaufen wird und es geht an die Feinplanung. Kleidung, Accessoires und MakeUp lautet daher der nächste Punkt auf der Agenda.

Erst einmal besprecht ihr euch mit dem Model, was sie vielleicht passendes selbst schon im Kleiderschrank hat. Wenn da nichts passendes dabei ist, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, um an die richtige Klamotte zu kommen:

  • Bei Ebay gibt es nichts, was es nicht gibt… Ob Alt oder Neu, aus Fernost oder aus dem frühen Mittelalter…
  • Kostümverleih und Faschingsbedarf für ausgefallene Outfits
  • Flohmärkte und SecondHandläden, hier kann man mit wenig Geld und etwas Kreativität ausgefallene Outfits findenagnieschkasecondtrykl oder kreieren
  • Ein Schneider oder Designer näht euch ein Outfit, wenn ihr absolut nichts passendes gefunden habt. Manche Designer stellen ihre Outfits auch kostenlos einem Shooting zur Verfügung, wenn sie danach die Bilder für Werbezwecke nutzen können.

Accessoires findet ihr natürlich auf gleichem Wege.

Viele Modelle können sich selber schminken. Für ausgefallene Shootings und aufwändigem MakeUp ist aber eine Visagistin zu empfehlen. Diese könnt ihr bspw. über die Model-Kartei buchen. Dabei ist mit Kosten pro Styling von ca. 60-120€ je nach Aufwand zu rechnen.


 

Die “Was fehlt noch? Liste” ist sicherlich bei jedem unterschiedlich. Ich habe gerne einen Assistenten dabei, der mir zur Hand gehen kann, einen Reflektor hält oder das Licht nach Anweisung umstellt. Mehr fehlt mir persönlich aber an dieser Stelle nicht.

Ein kleiner Tipp aber noch zur Zeitplanung. Visagistinnen sind oft Wochen im Voraus ausgebucht und auch Internetbestellungen können länger dauern. Plant so ein Shooting je nach Aufwand also lieber zu früh als zu spät.


 

 Der Abend vor dem Shooting

Hier meine kleine Checkliste:

 

1.Welche Kamera(s) und Objektive brauche ich?

2.Akkus voll – Speicherkarten leer?

3.Stative, Blitzformer, Blitze, Reflektoren und Co. Einpackencache_2429440018

4.Accessoires und Kleidung einpacken

5.Abchecken bei Model, Visa und Assistent ob Termin steht

6.Techniktest

7.To Do Liste für Morgen früh

8.Liste mit Kontaktdaten, Navifähige Anfahrtsbeschreibung, Sonnenstanddaten, Vertrag einpacken

9.Wetter checken


 

 Der Tag des Shootings

Ihr solltet früh genug aufbrechen und vorher nochmal checken, ob ihr auch alles eingepackt habt. Ein letztes Wetterupdate und dann gehts auf Richtung Location. Natürlich seid ihr früher da wie das Model, um zu schauen, ob im Studio alles vorhanden ist, was ihr braucht oder die Zufahrt zu eurem See noch frei ist.

Vor Ort angekommen könnt ihr schon mal auspacken, bis das Model und der Assistent eingetroffen ist. Das vertragliche wird geregelt und mit dem Assistenten baut ihr in Ruhe euer Lichtset auf und probiert mit ihm aus, ob das Licht so passt. Bei einem Reflektor zeigt ihr ihm, wie ihr das Licht haben wollt. Das Model schminkt sich in dieser Zeit oder wird geschminkt.

Das Model holt ihr erst ans Set, wenn alles steht. Dann kann geshootet werden. Zwischendrin wechselt euer Model das Outfit und ihr das Licht. Das kann so oft wiederholt werden, bis das Model keine Lust mehr hat ;)

gal-portrait Braut Fashion

Ihr seht, eine gründliche und genaue Planung vorab führt zu einem sorgenfreien Shooting, das ihr vor Ort schnell umsetzen könnt. Je genauer der Plan in eurem Kopf, um so ruhiger könnt ihr das Shooting durchführen und umso besser werden die Bilder. Das sind zumindest meine Erfahrungen.


 

Nach erfolgreichem Shooting geht es zu Hause in den darauffolgenden Tagen an die Bearbeitung. Ich schaue mir die Bilder zu erst in Lightroom an und bewerte sie. Meine 5-10 besten Bilder bearbeite ich dann in Photoshop und Lightroom und das Model erhält sie vor Veröffentlichung über die Dropbox.


 

Ich würde mich über ein Feedback zu diesem doch recht zeilenintensiven Blogeintrag freuen. Wenn euch noch etwas einfällt, was ich vergessen habe oder Fragen aufgetaucht sind, meldet euch bei mir!

2 Kommentare vorhanden

  1. Hi Michele, find ich super, die Liste! Ein Tipp noch: in den Douglas-Filialen kann man meist die Mädels auch gut und kostengünstig schminken lassen. Tagesmakeup 20, Abendmakeup 40 Euro.

    Da muss man aber auch wieder vorher einen Termin holen … , aber das geht in der Regel auch kurzfristiger …
    lg Tilo

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